Mehr als die Hälfte aller Unternehmen, die Stellen abgebaut und durch KI ersetzt haben, bereuen diese Entscheidung. Das zeigt ein aktueller Bericht von Forrester Research („Predictions 2026: The Future of Work“). Was zunächst wie ein Rückschritt klingt, ist in Wahrheit ein wichtiger Realitätscheck: Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt – aber nicht so, wie viele gehofft oder befürchtet haben.


Was die Forrester-Studie herausgefunden hat

Laut der Untersuchung geben 55 % der Arbeitgeber:innen an, sie hätten es bereut, Mitarbeiter entlassen zu haben, weil sie dachten, KI könne deren Arbeit vollständig übernehmen. Viele Unternehmen müssen die frei gewordenen Stellen inzwischen wiederbesetzen – teilweise mit geringerem Lohnniveau oder als Outsourcing-Lösungen.

Auch interessant: 57 % der Führungskräfte erwarten inzwischen, dass ihre Mitarbeiterzahl im nächsten Jahr wieder steigt – nur rund 15 % rechnen mit einem Rückgang.


Warum Unternehmen ihre KI-Entlassungen bereuen

1. Überschätzte Leistungsfähigkeit der KI

Viele Organisationen glaubten, generative KI könne komplexe Aufgaben direkt übernehmen. In der Praxis zeigte sich jedoch: KI ist gut im Unterstützen, aber schwach im eigenständigen Entscheiden, Priorisieren oder Kommunizieren. Die Forrester-Analyse zeigt, dass Produktivitätsgewinne oft überschätzt wurden.

2. Verlust von Erfahungswissen und Kontext

Entlassene Mitarbeitende nahmen wertvolles Wissen mit – etwa zu Kundenbeziehungen, Prozessen oder fachlichen Feinheiten. KI-Systeme konnten diese Lücken nicht füllen, wodurch Qualität und Kontinuität litten.

3. Fehlende Strategie und Integration

Viele Firmen führten KI ein, ohne klare Strategie. Automatisierung wurde aus dem Hype heraus gestartet, statt durchdacht in bestehende Prozesse eingebettet. Das führte zu Reibungsverlusten und Ineffizienz.

4. Kaum reale Produktivitätsgewinne

Personalkosten sanken zwar kurzfristig, doch Qualität, Kundenzufriedenheit oder Innovationsgeschwindigkeit litten. In vielen Fällen war der wirtschaftliche Nutzen geringer als die erwarteten Einsparungen.

5. Rückkehr zu menschlicher Arbeit – aber unter neuen Bedingungen

Viele Unternehmen stellen wieder ein – allerdings mit veränderten Rollenprofilen. Aufgaben werden neu verteilt, teils im Ausland oder mit stärkerem Fokus auf KI-Koordination. Arbeit verschwindet nicht – sie wandelt sich.


Was wir daraus lernen können: KI als Werkzeug, nicht als Ersatz

Die wichtigste Erkenntnis: KI ersetzt Menschen nicht – sie verändert, wie Menschen arbeiten. Wer vorschnell auf vollständige Automatisierung setzt, riskiert Know-how-Verlust, Reibungsverluste und enttäuschte Erwartungen. Erfolgreiche Unternehmen kombinieren Mensch und Maschine gezielt.

  • KI als Werkzeug einsetzen: KI kann Routine- und Analyseaufgaben übernehmen, damit Menschen sich auf Strategie, Empathie und Kreativität konzentrieren.
  • Neue Kompetenzen fördern: Mitarbeitende sollten lernen, mit KI zu arbeiten – Prompting, Qualitätskontrolle, kritisches Denken.
  • Strategisch handeln: KI-Projekte brauchen Pilotphasen, Datenanalyse und klare Ziele, bevor Personalentscheidungen getroffen werden.
  • Technologieethik mitdenken: Transparenter, verantwortungsvoller KI-Einsatz schafft Vertrauen bei Belegschaft und Kundschaft.

Fazit: Die Zukunft der Arbeit ist „Mensch + Maschine“

Die Forrester-Studie ist kein Rückschritt, sondern ein Weckruf. Sie zeigt, dass die KI-Revolution selten linear verläuft – und dass die Zukunft der Arbeit im „Sowohl als auch“ liegt, nicht im „Entweder oder“.

Unternehmen, die menschliche Stärken mit KI-Effizienz verbinden, werden langfristig erfolgreicher und widerstandsfähiger sein – technologisch, wirtschaftlich und kulturell.




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